Jürgen Smid: Mit smarter Mitarbeiterführung zum Erfolg

Dieses Interview erschien ursprünglich im Buch Erfolgsgründer made in Austria (2014).
Hier bestellen.



Kurzbiografie

2004 gründeten Jürgen Smid, Klaus Hofbauer und Oliver Sonnleithner das Jobportal karriere.at. Die Idee kam den damaligen Wirtschaftsstudenten, als sie sich intensiv mit ihrer eigenen Karriereplanung beschäftigten. Dabei erkannten sie rasch, dass Verbesserungsbedarf bei der Aufbereitung des österreichischen Stellenmarktes bestand. Mit starker Serviceorientierung wurde das Unternehmen zu Österreichs führender Onlineplattform. 2009 kaufte das Schweizer Onlineportal „jobs.ch“ 49 Prozent an karriere.at.

Zum Unternehmen

karriere.at ist Österreichs reichweitenstärkstes Online-Karriereportal mit Fokus auf Fach- und Führungskräfte. Tausende aktuelle Jobs bei österreichischen Top-Unternehmen werden den Usern präsentiert. Für optimale Reichweite sorgt jobs.at. Die Plattform sucht automatisch nach allen relevanten Stellenangeboten auf Firmenwebseiten, zudem werden Stellenanzeigen von karriere.at auf jobs.at durchgeschalten.


Erfolgsgründer Interview

Karriere.at wurde 2004 gegründet. Wie lernten Sie Ihre beiden Mitgründer Klaus Hofbauer und Oliver Sonnleithner kennen und welche Motivation steckte hinter der Gründung?

Jürgen Smid: Wir haben uns bereits während des Studiums intensiv mit Karriereplanung beschäftigt. So haben wir schnell festgestellt, dass der Stellenmarkt in Österreich sehr intransparent ist. Anno 2004 haben die meisten Leute noch die Tageszeitungen nach Jobanzeigen durchgeblättert. Manche Unternehmen veröffentlichten zwar schon ihre Stellenangebote auf der eigenen Webseite, aber die wurden dann eben nur zufällig von Jobsuchenden gefunden. Unsere Motivation war, mehr Transparenz im Stellenmarkt zu schaffen.

Von der ersten Idee bis zum fertigen Businessmodell ist es oft ein langer Weg. Können Sie Ihre Entwicklung genauer beschreiben?

Smid: Unser erster konkreter Schritt war die Teilnahme am i2b Businessplan Wettbewerb. Anfangs wollten wir in die Richtung einer Meta-Suchmaschine oder eines Job-Aggregators gehen. Je weiter wir den Businessplan ausarbeiteten, desto klarer entwickelte sich das Ganze in Richtung einer klassischen Jobbörse. Wir haben aber schon von Anfang an den Servicegedanken und die Unternehmenswebseiten unserer potenziellen Kunden ins Geschäftsmodell eingebunden. Das war damals bei den klassischen Jobbörsen ganz anders. Da gab es meist ein Inserat auf der Unternehmenswebseite und ein eigenes für die Jobbörse. Wir waren überzeugt, dass das auch redundanzfrei gehen muss. Jobsuchende werden deshalb von unserer Plattform direkt auf die Webseite des ausschreibenden Unternehmens weitergeleitet.

Wie haben Sie im Vorfeld die potenzielle Nachfrage für ein Jobportal Ihres Zuschnitts erhoben?

Smid: Gemeinsam mit der Universität Linz und der Universität Innsbruck haben wir im Jahr 2004 rund 300.000 Unternehmen analysiert. Das Ergebnis zeigte, dass nur 30.000 Unternehmen eine eigene Unternehmenswebseite hatten und wiederum nur zehn Prozent dieser Unternehmenswebseiten hatten darauf etwas zum Thema Human Resources stehen. Beginnend mit dem Jahr 2004 fand aber eine umfassende Transformation statt – weg von den einfachen Webseiten mit Unternehmensfoldern für Stakeholder, hin zu Webseiten mit komplexen Informationssystemen. Damit wurde es möglich, ganz unterschiedliche Interessensgruppen anzusprechen.

Unternehmen können sich auf karriere.at umfassend als Arbeitgeber positionieren. Mir scheint aber, diese Funktion wird nur von einem geringen Teil der Unternehmen genutzt.

Smid: Ja, das haben wir auch erkannt. Bis dato sind wir primär ein Online-Stellenmarkt. Das Thema Employer Branding wurde 2007 sicher extrem überstrapaziert, andererseits wird es aufgrund der demographischen Entwicklung immer schwieriger, die richtigen Menschen als Mitarbeiter zu gewinnen. Unsere Kunden suchen deshalb neue Wege ihr Unternehmen samt Wertewelt, Philosophie und Benefits darzustellen. Das gelingt in einem einzelnen Stelleninserat sicher nicht perfekt. Wir haben auf diese Nachfrage reagiert und bieten eine eigene Branding-Solution an. Dabei folgen wir einem Top-Down-Ansatz und richten uns jetzt vorrangig an Großunternehmen.

Aber alleine wegen der guten Werbung kommen die Talente doch nicht zu einem Unternehmen?

Smid: Da haben Sie Recht. Es ist wichtig, nicht nur an der Sichtbarkeit der Unternehmenswerte zu arbeiten, sondern diese auch intern zu leben. Dort wo die Diskrepanzen hoch sind, steigt die Gefahr einer kontraproduktiven Wirkung. Ich kenne große Handelsunternehmen, die enorm viel Geld für Employer Branding ausgeben. Wenn man dann aber hört, wie diese Unternehmen ihre Bewerber von oben herab behandeln, nicht wertschätzen und kein Feedback geben, dann steht das im krassen Widerspruch zur Kommunikation.

Wie haben Sie die Gründung von karriere.at finanziert und können Sie mehr zur technischen Entwicklung des Portals erzählen?

Smid: Unser Stammkapital betrug im Jahr 2004 rund 40.000 Euro und das reichte uns. Alles weitere haben wir aus dem Cashflow finanziert. Die Plattform haben wir vollständig selbst im Haus entwickelt. Es war uns sehr wichtig, absolute Kontrolle zu haben. Natürlich wird die technische Umsetzung mit den Jahren und den wachsenden Funktionen immer komplexer. Seit einiger Zeit sehen wir, dass enorm viele Zugriffe über mobile Endgeräte erfolgen. Wir müssen daher alle unsere Plattformen dahingehend optimieren und natürlich auch die Suchmaschinenoptimierung laufend aktualisieren. Wir können sehr schnell und flexibel agieren, weil wir eben nicht auf die Verfügbarkeit Externer angewiesen sind.

Als karriere.at online ging, gab es schon einige Konkurrenten am Markt und es begann ein Konsolidierungsprozess. Wie haben Sie das erlebt?

Smid: 2004 hat Monster die Seite Jobpilot.at vom Schweizer Personaldienstleister addeco gekauft. 2006 wurden Jobfinder und Jobnews an Stepstone verkauft. Speziell aber die Übernahme von Jobpilot durch Monster hat viele unserer potenziellen Kunden verunsichert. Einerseits kam ein großer Amerikaner auf den Markt, andererseits hat in Österreich bis dahin kaum jemand mit der Bezeichnung „Monster“ eine Karriereplattform assoziiert. Wir konnten zu dem Zeitpunkt nur unsere Vision präsentieren, denn karriere.at war noch nicht online. Vielen heimischen Unternehmen gefiel es aber, dass drei Österreicher den Jobmarkt mit mehr Service und Kundenorientierung belebten. Wir haben von Anfang an Österreich als Markt definiert, um mit diesem Fokus tatsächlich unsere Vision umzusetzen. Auf Deutschland haben wir nie geschielt.

2009 stieg jobs.ch bei karriere.at ein. Wie hat sich das entwickelt und welche Auswirkung hatte das auf die Eigentumsverhältnisse?

Smid: Jobs.ch stieg bei uns ein, nachdem wir bereits rund ein Jahr in Gesprächen standen. Davor und parallel dazu gab es eine große Zahl von weiteren Interessenten. Dazu gehörten nahezu alle österreichischen Verlagshäuser sowie der Marktführer in den USA. Wir wollten aber immer das Management behalten und nicht nur verkaufen. In den Gesprächen mit jobs.ch hat sich herausgestellt, dass die in dieser Hinsicht dasselbe verfolgen. Jobs.ch mischt sich bei uns operativ nicht ein und so können wir das Unternehmen gut weiterentwickeln. Die Zusammenarbeit passt menschlich und natürlich ergeben sich sehr vorteilhafte Synergieeffekte. Jobs.ch ist rund fünf Jahre länger am Markt und hat dementsprechend viel Erfahrung. Durch die strategische Kooperation hat sich für uns zudem der ungetrübte Blick ins benachbarte Ausland eröffnet.

Wie hat sich das Geschäft in den letzten Jahren entwickelt und was erwarten Sie sich in der Zukunft?

Smid: Wir konnten in den letzten Jahren ein sehr starkes Umsatzwachstum erreichen. 2009 verzeichneten wir zwei Millionen Euro Umsatz. 2010 betrug der Umsatz bereits vier Millionen Euro. 2011 konnten wir mit acht Millionen Euro den Umsatz wieder verdoppeln und 2012 erreichten wir etwas über zehn Millionen Euro. Das Potenzial ist aber noch lange nicht ausgeschöpft. Die Jobportale befinden sich noch in keinem Verdrängungswettbewerb, vielmehr findet seit einigen Jahren eine Transformation von Print in Richtung Online statt. Zudem kommen aufgrund der Firmenstruktur in Österreich immer neue Unternehmen hinzu, die erstmals Inserate buchen.

Wechseln wir die Sichtweise von den Unternehmen zu den Jobsuchenden: Wie wird die Bewerberdatenbank auf Ihrer Plattform angenommen?

Smid: Der Bewerber hat zwei Möglichkeiten sich in die Bewerberdatenbank einzutragen: Entweder mit offengelegten Bewerberdaten oder anonym. Letzteres ist wichtig für jene Mitarbeiter, die in einem aufrechten Dienstverhältnis stehen, sich aber aktiv mit der eigenen Karriereplanung auseinandersetzen. Potenzielle Arbeitgeber können diese Leute über ein standardisiertes Formular kontaktieren. Der Bewerber kann dann selbst entscheiden, ob er die Kontaktanfrage annimmt oder nicht.


Willst Du Erfolgsgründer werden?
Wir unterstützen Gründer und Investoren auf Ihrem Weg zum Erfolg.


Welcher Trend ist da bemerkbar?

Smid: Der Trend geht bei der Jobsuche jedenfalls in Richtung „Jobposting matches CV“. Dabei werden Stelleninserate eingelesen und mit Lebensläufen abgeglichen und das Ergebnis liefert eine Reihe von Treffern, die dann die Suche abkürzt und objektiviert.

Wachstum braucht mehr Mitarbeiter. Wie haben sich die Zahlen entwickelt und wie haben Sie die Organisation gestaltet, um dieses Wachstum zu managen?

Smid: 2009 zählte karriere.at insgesamt 21 Mitarbeiter. 2010 waren wir bereits 33 Mitarbeiter, Ende 2012 dann 56 Mitarbeiter und heute sind wir rund 90 Mitarbeiter. Unser Miteigentümer jobs.ch unterstützte uns beim Zuwachs mit „Best Practice Know-how“, weil sie fünf Jahre vor uns in diese Wachstumsphase eintraten. Wir haben in den vergangenen Jahren ein mittleres Management eingerichtet, Teams organisiert und einen eigenen HR-Manager eingestellt. Die Transformation von unseren operativen Tätigkeiten hin zu Managementpositionen haben wir mit Hilfe eines externen Beraters erarbeitet. Wir haben außerdem ein Leader­ship-Programm für unsere Führungskräfte entwickelt, weil das die Voraussetzung für erfolgreiches Delegieren ist. Wir haben auch ein großes Projekt gestartet, das sich auf interdisziplinäres Zusammenarbeiten fokussiert – horizontal und bereichsübergreifend. Daraus haben sich Unterprojekte entwickelt wie Planung, Delegation und Entscheidung. Für uns war das eine wichtige Voraussetzung, um bei dem raschen und großen Wachstum, die notwendige Geschwindigkeit und Flexibilität zu erhalten. Speziell in den letzten Jahren stellt sich das in einer drastischen Verbesserung der Produktivität pro Kopf dar: Von rund 100.000 Euro in 2009 konnten wir diese Kennzahl auf rund 185.000 Euro steigern.

Was haben Sie mit karriere.at in den nächsten drei bis fünf Jahren vor? Welche Produktentwicklungsschritte sehen Sie vor sich?

Smid: Ich hoffe, wir sind in drei bis fünf Jahren nach wie vor die klare Nummer eins am österreichischen Markt. Darüber hinaus wollen wir unsere Marktposition im Bereich der branding.solution, also unseres Employer Branding-Produkts, weiter ausbauen. Großen Trends wie der Jobsuche auf Smartphones und Tablets oder Active Sourcing begegnen wir mit innovativen Produktlösungen.

Was sind im Rückblick für Sie die Erfolgsfaktoren von karriere.at gewesen?

Smid: Wir haben von Anfang an Kompetenzen verteilt und uns klare Ziele gesetzt. An der Zielerreichung haben wir fokussiert gearbeitet. Unsere Mitarbeiter haben wir zu unternehmerischem Denken motiviert und immer transparent gezeigt, wofür sie täglich ihr Bestes geben. Am Anfang jedes Jahres machen wir ein Kick-Off-Meeting, in dem wir das Erreichte und die Marktentwicklung diskutieren. Wir präsentieren unsere Ziele für das kommende Jahr und die Vision für die nächsten fünf Jahre. Als Metapher: Wenn karriere.at ein großes Schiff ist, dann müssen alle koordiniert rudern, damit es mit Kraft in die richtige Richtung geht. Wenn jeder das Beste gibt, aber unkoordiniert rudert, dann fährt das Schiff im Kreis.