Bank Gutmann AG Themenabend: Kryptowährungen – krisenhaft oder zukunftssicher?

Frei nach Professor Dan Ariely ist es mit dem Investieren in Kryptowährungen wie mit Sex im Teenager-Alter: Jeder spricht darüber. Keiner weiß wirklich, wie es geht. Alle denken, dass die anderen es tun, also behauptet jeder, dass er es auch tut. 

Fest steht: Kryptowährungen faszinieren und verunsichern zugleich. Dass dieses Thema auch Business Angels und Startup-Investoren bewegt, zeigte sich an über 70 Gästen bei unserem achten Themenabend am 26. Juni gemeinsam mit der Bank Gutmann AG. 

Matthias Albert, Vorstand der Bank Gutmann AG, machte in seiner Einleitung deutlich, warum dieses Thema auch für eine Privatbank wichtig ist: Zwar investiere man selber nicht in digitale Währungen, aber für die Kunden möchten man auch bei diesem Thema als kompetenter Berater zur Seite stehen. 

 

v.l.: Christian Niedermüller, Berthold Baurek-Karlic, Matthias Albert, Max Tertinegg, Hannes Stiebitzhofer und Paul Klanschek diskutierten über dne Status Quo von Kryptowährungen.

v.l.: Christian Niedermüller, Berthold Baurek-Karlic, Matthias Albert, Max Tertinegg, Hannes Stiebitzhofer und Paul Klanschek diskutierten über den Status Quo von Kryptowährungen.

Volatilität von Bitcoins sinkt 

Berthold Baurek-Karlic, CEO von Venionaire Capital und Moderator des Abends, startete mit ausgewählten Fakten über Bitcoin und Blockchain. So ist etwa die hohe Volatilität von Bitcoin bekannt, weniger medial beachtet ist jedoch, dass sich diese Volatilität in den letzten Jahren signifikant reduziert hat während der Preis in die Höhe ging. Ein Zeichen dafür, dass der Markt erwachsen wird und mehr Vertrauen von den Marktteilnehmern gewonnen hat. 

Bitcoin - Rise and Fall. Quelle: Bloomberg. Grafik: © Venionaire Capital.

Bitcoin – Rise and Fall. Quelle: Bloomberg.

 

Max Tertinegg, Gründer von Coinfinity, sieht Bitcoins jedenfalls als stabile Anlage. Ihn ärgert der Umstand, dass über Blockchain zu generalisierend gesprochen wird: „Das ist so, als hätten wir 2000 über das Internet als Ding an sich gesprochen hätten. Das Internet ist aber E-Mail, FTP-Protokoll, Skype, WWW und vieles mehr.“ Ähnlich sei es mit Kryptowährungen. Für Tertinegg, der Österreichs erster Bitcoin-Händler war, sichert sich Bitcoin durch sein umfassendes Netzwerk und der inhärent festgelegten Maximal-Stückzahl von 21 Millionen seinen Wert. 

v.l.: Max Tertinegg und Hannes Stiebitzhofer.

v.l.: Max Tertinegg und Hannes Stiebitzhofer.

 

Paul Klanschek, Co-Founder von Pitpanda.

Paul Klanschek, Co-Founder von Pitpanda.

Paul Klanschek, Co-Gründer und CEO der Krypto-Börse Pitpanda, strich die Transparenz der Blockchain-Technologie hervor. Während der Privatnutzer nur Adressen-Kauderwelsch sieht, können entsprechende Institutionen sehr genau nachvollziehen, wie das Geld geflossen ist. Das ist wichtig, um Geldwäsche aus dem Darknet, eine Plattform für illegale Geschäfte, zu unterbinden. 

 

Christian Niedermüller, der den Fintech-Beirat des Finanzministeriums mit initiiert hat und diesen jetzt gemeinsam mit dem Kabinett des Bundesministers leitet, gab zu bedenken, dass laut Statistik der Prozentsatz an Geldwäsche über Kryptowährungen auch nicht höher sei als in gewöhnlichen Währungen. Für ihn hat Blockchain in vielen Anwendungsbereichen großes Potenzial, etwa bei Smart Contracts: „Denken wir nur an Immobilieninvestments mit Bezahlung in Tranchen. Bisher ist es so, dass der Investor auf ein Treuhandkonto einzahlt. Der Sachverständige begutachtet den Baufortschritt und meldet das dem Treuhänder. Dieser gibt dann die Zahlung frei. Mit Blockchain könnte man hier die Aufgabe des Treuhänders bzw. Notars komplett einsparen.“ 

Für Blockchain-Unternehmer und Berater Hannes Stiebitzhofer sind genau solche Anwendungsfälle für die Wirtschaft interessant. Er sieht das Thema nun in allen größeren Unternehmen angekommen. Gerade bei Banken bemerkt er aber auch noch viel Verunsicherung. Stiebitzhofer ist jedoch überzeugt: „Nächstes Jahr werden wir wieder ein großes Stück weiter sein. Dann werden sich solche Veranstaltungen weniger mit den Gefahren und Chancen dieser Technologie beschäftigen, sondern wie sich das für das eigene Unternehmen sinnvoll einsetzen lässt.“